Studium Generale

Lenin, Stalin...Putin. Führerregime: Tradition und Bruch in der politischen Kultur Russlands

31. Oktober 2022

Dr. Benno Ennker, Universität Tübingen

Lebt der „Sowjetmensch“ auch heute in Russland weiter? Vieles an der Diktatur und Führerfixierung unter Präsident Putin lässt an das Verhältnis von „Volk und Führer“ unter Lenin und Stalin denken. Lenin wurde schon zu Lebzeiten als „charismatischer Führer“ ausgerufen. An welche Herrschaftstraditionen in der Geschichte Russlands konnten die Bolschewiki anknüpfen? Welche Bild- und Text-Medien setzten die „Hohenpriester“ dieses neuen Kultes dafür ein? Als Stalin seine totalitäre Herrschaft errichtet hatte, kam ein neuer Führerkult zu eigener Blüte. Er galt bis zum Tod des Diktators und prägte die sowjetische Kultur und den „Sowjetmenschen“ bis tief in die Mentalität.

Die „Führertradition“ transportierte nicht nur den Kult, sie verankerte auch Gewalt und Terror in der Gesellschaft. Welche langfristigen Wirkungen hatte also die sowjetische Führertradition auf die Menschen der heutigen Gesellschaft Russlands? Bei allen Traditionslinien im geschichtlichen Drama von „Volk und Führer“ fragen wir vor allem nach den spezifischen Brüchen und Paradoxien in der postsowjetischen politischen Kultur Russlands unter Wladimir Putin.

Moderation: Günter Franke und Bernhard Schink

Dr. Benno Ennker ist ein deutscher Osteuropahistoriker mit Forschungsschwerpunkten der folgenden Bereiche: sowjetische und postsowjetische Geschichte und geschichtliche Politik, insbesondere Stalinismus, Verfassungsrecht und Herrschaftskulten, sowie russische Sozial- und Kulturgeschichte an der Universität Tübingen.