Studium Generale

Identität oder Inhalte? Wie Nationalisten Wahlen gewinnen

Jun. Prof. Dr. Christina Zuber (Universität Konstanz, Fachbereich- Politik und Verwaltungswissenschaft)

In letzter Zeit wird viel darüber debattiert, ob der Erfolg nationalistischer Parteien auf Unterstützung von Wählerinnen unterer sozialer Schichten basiert. Der Vortrag widmet sich dieser aktuellen Frage mit historischem Material. Im Jahr 1907 führte der österreichische Teil der Österreichisch-Ungarischen Doppelmonarchie das allgemeine freie Männerwahlrecht für die Wahlen der Mitglieder des Abgeordnetenhauses ein. Breite Bevölkerungsschichten Mittel- und Osteuropas nahmen damals zum ersten Mal an demokratischen Wahlen teil. Aufgrund des Charakters als Vielvölkerstaat bemühte sich eine Vielzahl nationalistischer Parteien darum, potentielle Wähler als „Deutsche“, „Tschechen“, „Polen“ oder „Italiener“ zu mobilisieren. Demgegenüber präsentierten sich die Sozialdemokratien als Repräsentanten einer transnationalen Gemeinschaft von „Arbeitern“. Welche Mobilisierungsstrategien waren unter diesen Bedingungen einer ursprünglichen demokratischen Wahl erfolgreich? Triumphierten Nationalisten durch Appell an Identität oder durch konkrete politische Inhalte? Und welche Erkenntnisse lassen sich aus der Analyse historischer Ereignisse für aktuelle politische Prozesse gewinnen? 

Datum: 2019-12-16