Formen des Vergessens

Prof. Dr. Aleida Assmann, Universität Konstanz

Wie kann man über das Vergessen sprechen, wo es sich doch weitgehend unbewusst vollzieht? Ist nicht das  zentrale Merkmal des Vergessenen seine Entzogenheit und Unzuglänglichkeit? Umberto Eco hat schon 1988 kurzen Prozess mit diesem Thema gemacht. Auf die Frage, ob es so etwas wie eine Kunst oder Theorie des Vergessens geben könnte, hat er 1988 geantwortet: ‚Forget it!’ So will ich es mir aber nicht machen, denn das Vergessen ist nicht nur der Gegner sondern auch der Komplize des Erinnern. Erinnern und Vergessen sind keine trennscharfen Begriffe; sie greifen ineinander und sie setzten sich gegenseitig voraus. In der Vorlesung wird es um individuelle, soziale und politische Praktiken des Vergessens gehen, sowie um deren Bewertung in unterschiedlichen historischen Kontexten. Ein wichtiges Thema wird dabei auch der Strukturwandel von Erinnern und Vergessen unter den Bedingungen des digitalen Medienwandels sein.

Datum: 2018-01-15