Wissenschaftliche Alternativmethoden zum Tierversuch

Prof. Dr. Marcel Leist, Universität Konstanz

Tierversuche führten zu wichtigen wissenschaftlichen Erkenntnissen, aber wie jeder Forschungsansatz haben sie Schwächen und Nachteile. Darunter fallen die Übertragbarkeit der Daten auf den Menschen, hohe Kosten und ethische Bedenken. Deshalb gibt es seit 20-30 Jahren erfolgreiche Entwicklungen von alternativen und komplementären Forschungsansätzen. Diese haben die meisten Tierversuche bei der Arzneistoffentwicklung ersetzt, und werden heute zu 100% bei der Testung lokaler Schädigungen durch Chemikalien oder bei verschiedenen Qualitätskontrollen von Arzneimitteln, Impfstoffen und Nahrungsmitteln eingesetzt. Das Spektrum dieser ‚Alternativmethoden‘, von der Europäischen Chemikalienbehörde auch NAM (New Assessment Methods) genannt, umfaßt Computersimulationen, Zellkulturen, ganze im Labor erzeugte Gewebe, und einfache Modellorganismen (wie Zebrafischembryonen), die nicht unteres Tierversuchsgesetz fallen. Ein Teil des Forschungsfelds, wie auch die Labors in Konstanz, arbeitet ausschließlich mit menschlichen Zellen, um Patienten-relevante medizinische und toxikologische Vorhersagen zu machen. Eine wichtige Quelle für menschliche Zellen sind Stammzellen, aus denen sich alle anderen Zelltypen erzeugen lassen. In den Labors in Konstanz, werden z.B. Nervenzellen und Nervengewebe für toxikologische und pharmakologische Testungen hergestellt. Im Vortrag soll ein breiter Überblick darüber gegeben werden, wie modernste biologische Erkenntnisse verwendet werden tierversuchsfreie Teststrategien zu entwickeln, und Beispiele sollen illustrieren wo diese erfolgreich eingesetzt werden, wo die derzeitige Forschung steht und bisher klare Grenzen bestehen.

Datum: 2017-11-27