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Mash-up – Rezeption und Produktion medialer Aneignung

Datum: 30.10.2013

Vortrag:

Tim Glaser (Literatur-Kunst-Medien, B.A.)

Wir schreiben das Jahr 2013 – die digitalen Medien sind scheinbar überall,
aber leben wir nun der Mashup culture (Sonvilla-Weiss 2010), Online Remix
Culture (Angeloro 2006; Edwards/Tyron 2009), post digital remix culture
(Harley 2009), Remix-Kultur (Stalder 2009), Sampling Culture (Navas 2009),
Read/Write culture (Lessig 2008), Referenzkultur (Gehlen 2011),
User-generated Culture (Frank 2010), configurable culture (Sinnreich
2010), Bastard Culture, bzw. Participatory Culture (Schäfer 2011) oder
möglicherweise bereits in den unendlichen Weiten des Cut-up-Kosmos (Fahrer
2009)?
Bevor wir all zu eifrig vom Neuen sprechen: Formen medialer Aneignungen –
im Sinne von Kopie, Zitat, Entlehnung, Variante, Version, Remix – haben
eine lange Tradition. Bereits Anfang des 20sten Jahrhunderts – man denke
hier an Ready-mades und die Collagen der Dadaisten –, und insbesondere ab
den 1970er Jahren existieren verschiedene Formen der medialen Aneignung
fremder Werken. Aber erst die geeignete Software (um 1990), das Aufkommen
von Filesharing (ab 1999) und die entsprechenden Plattformen und
Communities (ab 2001) führten dazu, dass sich Anfang des 21sten
Jahrhunderts diese Praxis in ihren verschiedenen Ausformulierungen
etabliert.
Eine der vielleicht wichtigsten Erkenntnisse zu diesem Thema wurde von
Kirby Ferguson in seiner vierteiligen Dokumentation knapp auf den Punkt
gebracht: Everything is a Remix! Dabei wird die Aneignung vom Rezipienten
als Solche bemerkt, was – so Rebbelmund – „einem heilsamen Schock‘
gleicht, insofern [als] das ‚Wiedererkannte‘ [...] komplett in Frage
gestellt wird.“ Was zum Vorschein kommt, ist, dass Information, Wissen,
kulturelle Artefakte und Technik immer schon auf vorherigen Versionen
beruhen. Durch die digitale Vernetzung werden diese Relationen direkt
zugänglich gemacht und und damit einsehbar, reproduzierbar und
beeinflussbar. „Remixing ändert [...] zunächst wenig, außer dass es diese
meist impliziten Vorgänge explizit macht.“ (Stalder) Was sich durch die
Digitalisierung zeigt, ist die Prozesshaftigkeit im Umgang mit Medien, in
welcher sich Rezeption und Produktion wechselseitig bedingen.
Dieses Phänomen soll Anhand der Ästhetik von digitalen Mash-up Videos
nachvollzogen werden, so weit es möglich ist und im Anschluss daran
diskutiert werden, ob und inwiefern diese digitalen Praxen auf unsere
Kultur – auf Begriffe wie Erinnerung, Gedächtnis und Speicher – Einfluss
haben können.