Vom Sinn und Unsinn der Bioenergie

Prof. Dr. Bernhard Schink,  Universität Konstanz

Die Nutzung von Mais, Raps und Zuckerrüben für die Bereitstellung von Energieträgern hat in den letzten zwei Jahrzehnten zu einer grossflächigen Veränderung unserer Agrarlandschaften geführt, die sich u. a. in einer beunruhigenden Minderung der Insektenbestände deutlich gemacht hat. Auf den ersten Blick erscheint der Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen für die Energieversorgung sinnvoll, da auf diese Weise indirekt das Sonnenlicht als Energieträger genutzt und das Kohlendioxid „recycelt“ wird. Überdies sind solche Bioenergieträger (Biogas, Bioethanol, Biodiesel, auch Brennholz) gut speicherbar und können damit Flauten im Wind- und Sonnenenergieangebot auszugleichen helfen. Allerdings ist die pflanzliche Nutzung von Sonnenenergie und deren Festlegung im Pflanzenmaterial sehr wenig effizient. Überdies steht der Anbau von „Energiepflanzen“ sowohl national als auch global mit der Nahrungs- und Futtermittelproduktion in Konkurrenz um Anbauflächen, Wasser und Mineraldünger. Auch hinsichtlich der Freisetzung von klimawirksamen Gasen, v. a. Methan und Stickoxiden, ist die Bilanz der Bioenergiewirtschaft eher nachteilig als vorteilhaft, weshalb sich die Bioenergienutzung in Zukunft bei uns auf die Nutzung von Abfallstoffen beschränken sollte.

Datum: 2019-01-21


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